Wertegemeinschaft

Zwei Bilder sind es, die den Zustand des Landes sehr gut beschreiben. Und zwei Reaktionen bzw. Nicht-Reaktionen sind es, die den Zustand unseres Landes demonstrieren. Da war ein über Wochen dauernder Marsch von Türkinnen und Türken, der durch das ganze Land ging und in Istanbul endete. Er fand statt unter dem Motto „Gerechtigkeit“, ging aber […]

über Wertegemeinschaft — form7

Advertisements

Gleichheit und Gerechtigkeit

Ursprünglich veröffentlicht auf Jürgen Fritz Blog: Wenn Sozis, die eher selten Aristoteles-Leser sind, von „Gerechtigkeit“ reden, dann meinen sie zumeist ein Mehr an Zwangsenteignungen von Bürgern. In Wahrheit hat dies natürlich weniger mit Gerechtigkeit zu tun als vielmehr mit noch mehr Eingriffen in Eigentumsrechte. Und das nicht nur zur notwendigen Finanzierung von…

über Wenn Sozis von „Gerechtigkeit“ sprechen — diwini’s blog

Recht und Gerechtigkeit

Heinrich von Kleist war einer jener Rebellen in der deutschen Literatur, für die es selbst nicht gut ausging. Als preußischer Offizier und Freund der Wahrheit, gebeutelt von einer tiefen Depression, setzte er seinem in literarischer Hinsicht viel versprechenden Leben viel zu früh ein gewaltsames Ende. Was von ihm übrig blieb, sind seine an Zahl überschaubaren, an Aussagekraft und Form überwältigenden Werke. Das gewaltigste unter ihnen ist aus meiner bescheidenen Sicht Michael Kohlhaas. Mit dieser Figur schuf er einen Typen, der das Grundverständnis von Staat, Recht und Vernunft im bürgerlichen Zeitalter in seiner dialektischen Ambivalenz illustriert.

Michael Kohlhaas ist die Figur geworden, in deren Leidens- und Triumphweg das System der bürgerlichen Rechtssprechung fokussiert und immer wieder gebrochen wird. Michael Kohlhaas ist das Stück, das jeden Tag in unserem republikanischen Leben aktuell ist. Daher ist eines gewiss: Die Figur hat nicht nur den Autor um mehr als zweihundert Jahre überlebt, sondern sie wird auch noch zur Klärung eines Grundsatzes dienen, wenn wir alle nicht mehr sind.

Kohlhaas, der auf dem Weg zum Pferdemarkt an einen vagabundierenden Adeligen zwei Rappen als Zollpfand zurücklassen muss, erhält diese in erbärmlichen Zustand zurück. Als er dagegen protestiert und Kompensation fordert, stößt er auf taube Ohren und auch das Rechtssystem weist ihn aufgrund des fürstlichen Einflusses ab. Als seine Frau versucht, zur einflussreichen Fürstin mit einer Petition vorzudringen, wird sie misshandelt und erliegt ihren Verletzungen. Da sieht Michael Kohlhaas Rot und beantwortet sein Schicksal mit der Offensive einer mordenden Freischärlerarmee. Nach zahlreichen Zerstörungen und indem er eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Landes wird, erhält er das Ohr der Fürstin, die ihm Gerechtigkeit verspricht. Nach noch einigen Wirrungen, zuletzt erhält er sein Recht, der Adelige muss die Rappen im alten Zustand zurückliefen, er muss für die Misshandlung von Kohlhaas´ Pferdeknecht zahlen und selbst für zwei Jahre ins Gefängnis. Dafür zahlt Kohlhaas, seine eigenen Vergehen gegen den Staat anerkennend, aus seiner Sicht selbstverständlich mit dem Leben. Er wird geköpft.

Das ausgehende Mittelalter hatte, lange bevor die bürgerliche Gesellschaft durch entsprechende Revolutionen das Licht der Welt erblickte, vor allem die Aufgabe, aus einer Philosophie, die die Rechtszustände zwischen Individuum und Allgemeinheit thematisierte, die Frage einer zukünftigen Gerechtigkeit zu klären. Mit Michael Kohlhaas schuf Kleist die Figur, die tragischerweise den Begriff der Räson über das Einzelschicksal des Individuums stellte. Damit war eine der zentralen Fragen des zukünftigen Rechtsverhältnisses geklärt. Michael Kohlhaas war nicht der von vielen verklärte Rebell, sondern er, der persönlich scheitern wird, ist die Figur in dem gesamten Ensemble, die der später aufgeklärten Staatsräson am nächsten kommt.

In der irischen Literatur findet sich mit John Lynch, dem Bürgermeister und obersten Richter der Stadt Galway übrigens eine ähnliche Figur. Lynch sieht sich gezwungen, das Recht auch gegen seinen Sohn walten zu lassen, der einen jungen Spanier aus Valencia getötet hatte. Um die Beziehungen zu Valencia nicht zu belasten, spricht Lynch das vorgeschriebene Recht, verurteilt seinen eigenen Sohn zum Tode, um das Urteil dann selbst zu vollstrecken, weil die Scharfrichter sich weigern.

Was sind das für Zustände, und diese Frage ist angesichts unserer Erfahrungen mit dem gelebten Rechtssystem durchaus legitim, in denen das Individuum selbst anerkennt, selbst im Angesicht existenziell wirkender Strafen, dass das Recht, aus dem Gerechtigkeit resultiert, über dem Individuum und seinen Wünschen steht?

Alphachamber zur Kultur:

KULTUR – HINDERNIS ZUR MENSCHLICHKEIT?

Urteilt man über Geist und Handlungen einer Gesellschaft, so bewertet man deren Kultur. Über das letztere gibt es zu wenig Klarheit. Zunächst also: Was ist Kultur?

Kultur ist nicht nur Lederhosen, Volksfeste und Essstäbchen. Anthropologen definieren Kultur als „die Summe von dem Verhalten, den Ideen, Aktivitäten und Einstellungen, die von den Mitgliedern einer Gesellschaft geteilt und verbreitet werden, zusammen mit den materiellen Produkten ihres Schaffens.“ Und „die Kultur als Ganzes, ist eine komplex organisierte Struktur, welche aus den Nennern der Status seiner gesellschaftlichen Mitglieder bestehen“ (Ralph Linton, Professor der Anthropologie, Columbia Universität, „The Study of Man“, N.Y. 1936).
Die Art und Weise, wie man mit den Prozessen der Geburt, des Heranwachsens, der Entwicklung, des Alterns und des Todes umgeht, mit angemessener Berücksichtigung der Unterschiede von Alter und Geschlecht, ist Kultur. Die Bestandteile, in die man eine Kultur zerlegen kann, sind sehr zahlreich und beinhalten jede möglichen Aktivitäten oder geistiges Verhalten, wie Bräuche, Glauben, Praktiken und Regeln, welche die gesamten Varianten menschlicher Beziehung festlegen. Diese Kulturellen Institutionen, zu denen übrigens auch die Sprache gehört, sind die Mittel der gesellschaftlichen Kontinuität und effektive Instrumente für das soziale Gleichgewicht.

Wenn man sich diesen wissenschaftlichen Definitionen anschließt, offenbaren sich die politischen Probleme weniger als Symptome kultureller – also menschlicher – Wurzeln, sondern eher als Resultat gesellschaftlicher Konstrukte. Der Staat erbaut direkt, oder fördert diese (Macht-)Strukturen zur Manipulation und Kontrolle des Individuums. Das geschieht seit langem schon unter dem Vorwand sogenannter „sozialen“ oder „gemeinnützigen“ Institutionen. Gewerkschaften, Kirchen, Karitativ- und Sozialverbände und die Tausende von staatlichen, privaten und UN-gesponsorten Organisationen, Fördergruppen, Stiftungen, Aktionsgemeinschaften und NGOs. Zusammen bilden sie eine mächtige „Industrie“ einflussreicher (und reicher) Entitäten. Keine einzige davon repräsentiert die Masse der Bürger. Die größten und einflussreichsten Organisationen sind Selbstzweck. Dabei geht es z.B. um Steuervorteile und Abschreibungen (Stiftungen), Ermächtigung und Bereicherung (Gewerkschaften), Umwelt- und Klimaschutz (Ökoindustrie), Gender,- Minderheiten,- und Einwanderungsinteressen (Öffentliche Gelder & „Social engineering“). Nicht zuletzt ist die Todsünde der Eitelkeit der Speck der die Mäuse fängt.

Der erste Fehler ist der Anschein kultureller Fortschritte, jedoch: Es gibt keinen kulturellen Fortschritt per se – nur gesellschaftliche Anpassungen an wissenschaftliche und technologisch Errungenschaften. Ein altes muslimisches Sprichwort sagt: „Auch wenn du den Esel sieben mal um Mekka führst, am Ende bleibt es doch nur ein Esel.“ Der Mensch ist Teil der natürlichen Vielfalt. Seine geistigen Fähigkeiten, vermehren seine Diversität ins schier Unendliche. Erzwungene Gleichmacherei, in jeglicher Hinsicht, raubt der Menschheit diese geistige, kreative Vielfalt und hemmt so die wirtschaftlichen, technologischen und sozio-politischen Entwicklungen. Sind denn die Größen der Menschheitsgeschichte aus kommunalen Institutionen hervorgegangen? Kamen Kant und Goethe, Pasteur und Amundsen, Edison und Bismarck, Ford und Einstein, Krupp und Mao Tse-Tung, Gandhi und Churchill alle aus dem gleichen sozialen Milieu? Aus tiefer Armut kann weltverändernde Größe entstehen (Immanuel Kant) und großer Reichtum kann sozialen Fortschritt bringen (Friedrich Krupp). Und das Ganze funktioniert auch umgekehrt. Schon Goethe klagte: „…der mittlere Zustand der bürgerlichen Demokratie macht eine wahrhaft historische Größe unmöglich“. Darin erblickt man die einfachen Ursachen vom Niedergang der Weltreiche. Neben den logistischen Problemen riesiger Ausdehnung, waren es Homogenisierung und Standardisierung und damit das Aussterben hervorragender Talente der einverleibten Kulturen.

Gibt es den „Kampf“ Arm gegen Reich? Ich sage, er ist ein roter Hering der marxistischen Gespenster, die ums Verrecken den Löffel nicht gänzlich abgeben wollen. Warum spuken sie noch regelmäßig in den Köpfen der Zeugen des Niedergangs sämtlicher sozialistischer Systeme? Es ist nicht der Kapitalismus der sie zerstörte, sondern Einsicht, die Vernunft und das Urteil der Geschichte. Wer möchte sich auf den nächtlichen Friedhof der Volkswirtschaftstheorien begeben, mit dem „Kapital“, ein paar von Proudhons Tauschscheinen und Chomskys Schriften als Voodoo-Opfer, um die sozialistischen Geister wieder zu re-materialisieren. Diese „Zombies“ des Wohlfahrtstaats mutieren – teilweise seit Jahrzehnten – in Formen von Hartz IV, Zusatzrenten, Mindestlöhnen, Familiengelder, Förderungszuschüsse, Abschreibungen und anderen gesellschaftszerstörenden Subventionen. Wirtschaftsliberalismus und Neoliberalismus sind nichts weiteres als ein „Merkantilismus a la mode“. Der Kampf ist zwischen dem Staat und seinen Bürgern.

Das Ausland wird ähnlich beglückt, unter dem Mantel erklärter Notwendigkeiten. Außer den offiziellen Entwicklungshilfen, gibt es eine Vielzahl von Finanzströmen. Zwar nur ein paar Tropfen für Gebiete ohne unsere besondere Interessen, dagegen wahre Geldschwemmen für Länder, in denen jemals ein Deutscher nachweislich (oder auch nicht) seine kaiserlichen oder faschistischen Stiefel setzte, von Süd-West Afrika, bis Warschau. Das geht unter den Begriffen Wiedergutmachung und Entschädigung. Staatliche Institutionen (wie z.B. die Adenauer Stiftung) verbreiten demokratische Gesinnung bei Kaffee und Kuchen. Wahlen oder nicht, Korruption oder nicht, politische Morde oder nicht, die Hilfsgelder fließen dennoch – da haben eben die Rohstoffvorkommen und die Interessen der USA einiges mitzureden.

Zur Menschlichkeit

Menschen ohne Kultur gibt es nicht, wie es auch keine Vergangenheit ohne Geschichte gibt. Kultur ohne Menschlichkeit ist ein Contradictio in adiecto. Ebensowenig gibt es eine unmoralische Kultur, nur unmoralische Gesetze. Toleranz, Bescheidenheit, Mitleid und Großzügigkeit sind individuelle Eigenschaften – wie auch Gier, Neid, Egoismus und Ignoranz – mitnichten die einer Nation. Moralität und Werte bezieht der Einzelne aus seinen Erfahrungen, seiner Bildung, Verstand, Produktivität und Handlungen. Das Erstellen eines rationalen Werte-Systems ist eine Einzelleistung und kein Vermächtnis sozialer oder religiöser Institutionen. Weder Staaten noch ihre Institutionen sind moralischen Gebilde und sind deshalb ungeeignet zur Beurteilung oder Förderung ethischer Haltung.
Hier sind wir beim zweiten Fehler: Zuerst kommt der Mensch, danach die Gemeinschaft, dann der Staat, nicht umgekehrt. Macht es also Sinn, durch Strukturen die Menschen verändern zu wollen? Vermehrt(e) sich im Kommunismus die Toleranz, im Sozialismus die Bescheidenheit? Verbesser(te)n sich die Tugenden der Bürger mit Einführung sozialer Programme, mit der Aufnahme Millionen Migranten, mit Milliarden-Zahlungen an die „Opfer deutscher Konsumenten“? Es ist ein ewiges Problem für die Machteliten, ihre Mitmenschen durch Strukturen zu steuern.

Wenn man darüber spekuliert, was die Gesellschaft für die Armen tun sollte, akzeptiert man die kollektivistische Prämisse, dass die Leben der Bürger dem Staat gehören und dass dieser das Recht hat über sie zu verfügen, ihre Ziele für sie zu setzen und die Verteilung ihrer Mühen zu planen. Kein Mensch kann überredet werden, etwas freiwillig aufzugeben; deshalb sind alle sozialistischen Strukturen mit Zwang und Gewalt verbunden. Das bedarf dann schon der Hörigkeit des einzelnen auf ein System. Der Einzelne kann aber keine persönlichen Rechte auf eine andere Entität übertragen, ohne seine Moral oder ethischen Werte teilweise oder vollständig aufzugeben.
Wenn ein Ökonom – als Mensch – einen Schuster betrachtet, sieht er einen Mann der für seinen Unterhalt arbeitet. Aber als Ökonom sieht er jemanden mit dem Zweck, die Gesellschaft mit Schuhen zu versorgen. Hört er von der sozialistischen Doktrin, dass sämtlicher Besitz dem Staat gehören sollte, lehnt er das empört ab. Aber als Staatsökonom befürwortet er die “Pflicht des Staates” den Wohlstand gerecht zu verteilen, als ob dieser ein soziales Gut sei.

Hier kämpfen also keine Klassen – die haben allerorts soziale Bedeutung. Bekämpft werden die Kulturen durch die staatlichen Mächte. „Menschlich“ sind wir schon seit Millennien, aber die Machtelite und Puppenspieler brauchen stets eine andere, von ihnen gesteuerte Menschlichkeit. Dabei ist das gewachsene kulturelle Erbe ein Hindernis. Belässt man den Menschen ihre Kultur, behalten sie auch ihre Menschlichkeit.

Zerstört der Wirtschaftsliberalismus die sozialen Systeme? Dieser Begriff ist keine Ursache, sondern beschreibt das Resultat eben einer Politik der Zerstörung menschlicher Ambitionen und Potentiale. Wäre die Wirtschaft liberal, wie der Begriff suggeriert, also wirklich frei, bräuchte es keine staatlichen Sozialprogramme, Bauern keine Subventionen, die Griechen keine Hilfe, die Afrikaner keine – als Geldautomaten getarnte – Pandora-Büchsen der Demokratie. Ist aber seine Bedeutung der, einer von der Wirtschaft gesteuerten liberalen Gesellschaft, dann wäre dies ein unüberwindbarer Wiederspruch. In beiden Fällen Beweis eines gezinkten, nicht-gleichberechtigten Kapitalismus. Erst eine kollektivistische Anschauung ermöglichte solche perverse Formen kapitalistischer Mechanismen. Armut ist kein Resultat einer liberalen Wirtschaft, sondern staatlicher Misswirtschaft, Ausbeutung und Korruption.

Barbara Branden wurde während eines Seminars einmal gefragt: “Was geschieht mit den Armen in einer freien kapitalistischen Gesellschaft?” Sie antwortete: “Wenn Sie ihnen helfen wollen, werden Sie nicht daran gehindert!” So verstehe ich eine freie und ethische Gesellschaft – mit Kultur und Menschlichkeit. Für die Regierenden ist die Demokratie eine bevorzugte Alternative zur Freiheit – sie lässt sich besser kontrollieren. Wie nennt man den radikalen, gewaltsamen Umbau politischer Syteme und staatlicher Strukturen, welche die Bürger in ihrer vernünftigen und freien Entfaltung behindern? Diesen Begriff werden Sie hier nicht lesen!