Von Richtung und Haltung

Es geht hoch her in diesen Tagen. Überall machen sich die Konkurrenten für die kommenden Bundestagswahlen locker und versuchen schon einmal, ihre Claims abzustecken. Da ist, auch durch die internationalen Ereignisse, eine Dynamik ins Spiel gekommen, die vor einem halben Jahr noch undenkbar war. Der Grund ist die Offenheit eines Spiels, bei dem vieles von anderen Faktoren abhängt. Es wird in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland gewählt werden. Wie diese Wahlen ausgehen werden, steht in den Sternen. Dennoch wird ihr Ausgang darüber bestimmen, was aus dem jetzigen Europa werden wird. Vieles spricht dafür, dass es nicht so bleibt, wie es ist. Das ist positiv, wenn man den Bürokratismus, den Zentralismus und die Dominanz des Wirtschaftsliberalismus betrachtet, es ist negativ, wenn die nationalistischen und teils völkischen Embleme wieder benutzt und als Konzept für die Zukunft verkauft werden.

Das europäische Binnenverhältnis wiederum wird darüber entscheiden, wie mit den USA als einem Land, das in der Wertschöpfung schwächelt und von den internationalen Finanzströmen zunehmend abgeschnitten ist, umgegangen werden wird. Wird Europa sich spalten und beherrschen lassen oder wird es mit einer Stimme sprechen und der gestrigen Ordnungsmacht zeigen, wo ihre Grenzen sind? Auch das steht in den Sternen, und wahrscheinlich ist letzteres nicht, weil das Aufbegehren geübt sein muss, bevor es Erfolg hat. Und zumindest in Deutschland, das der Welt etwas vormachen kann bei Revolutionen von Oben, bei denen von Unten hat es bis auf einige kurze, glückliche Episoden nie geklappt. Und nach aufgeklärten Designern für eine Revolution von Oben sieht es gegenwärtig eher nicht aus.

Mit dem Verhältnis zwischen Europa und den USA ist auf der sich in eine neue Ordnung bewegenden Welt noch gar nichts geregelt. Und es könnte auch alles ganz anders laufen. In Großbritannien hoffen die Akteure des Brexit auf eine neue, enge Koalition zwischen den USA und GB jenseits der EU. Sollte es darauf hinauslaufen, dann wären die Briten in kurzer Zeit voll in amerikanischer Hand, was das Schicksal des einstigen Empires relativ schnell besiegeln könnte. Der Rest der EU befände sich, sollten diese Annahmen stimmen, auf dem Weg zu neuen Bündnispartnern und Märkten, die vielleicht weiter in Osten liegen, als heute befürchtet wird. Die Gefahr, die in einem solchen Fall von der großen Macht China ausginge, wäre die Inhalation europäischen Know-Hows in chinesische Planungsstrategie und chinesische Dominanz. Dann stünde der glorreiche Westen von Gestern plötzlich da wie eine ausgebrannte Ruine.

Und, der Faden könnte noch weiter gesponnen werden. Oder ganz anders. Das hängt von der Perspektive der Betrachtung ab. Wichtig ist zu bemerken, dass wir vor keinen kleinen Routinen stehen, die abzuspulen sind, sondern entscheidend daran mitwirken werden, was aus dieser Welt in den nächsten Jahrzehnten werden wird. Manche, so ist zu sehen, brechen schon jetzt unter dieser Last der Verantwortung zusammen. Andere waren ihr nie gewachsen. Aber diejenigen, die bereit sind, sich an diesen Entscheidungen aktiv zu beteiligen, denen sei gesagt, dass es bei all der vor uns liegenden Komplexität vor allem auf zwei Dinge ankommt: Auf Richtung und Haltung. Wer weiß, wohin er möchte, und die Umstände definieren kann, wie er sich fortbewegen will, der hat viel gewonnen, in Zeiten von Furcht und Unsicherheit, in Zeiten von  falschen Lösungen und schnellen Antworten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s