David Cay Johnston. Die Akte Trump

Nun ist er Präsident der Vereinigten Staaten. Gewählt nach dem gültigen amerikanischen Wahlsystem. Insgesamt hat er, wie die vorliegenden Berichte bezeugen, weniger Stimmen als seine Konkurrentin Hillary Clinton erworben. Aber das gab es auch schon vorher. Es liegt am System. Entscheidend bei dem Aufruhr, der im Zusammenhang mit dieser Wahl herrscht, ist die Tatsache, dass sich ein in der Politik bisher unbeschriebenes Blatt gegen das etablierte politische System durchgesetzt hat. Die Mittel, derer er sich bediente, waren, vorsichtig ausgedrückt, unkonventionell. Gestützt auf Interpretationsmuster, die aus dem Verhalten vieler Wählerinnen und Wähler in den sozialen Medien abgeleitet wurden, besetzte er Themen, die zum Teil als Tabu galten. Er hat dabei alle Etikette gesprengt, die bis dahin herrschten. Viele bezeichnen das, was er da abgeliefert hat, als eine böse Form der Demagogie. Und noch nie haben alle, die an der Deutung von Politik beteiligt sind, derartig gerätselt über die Frage, was mit dem Präsidenten Donald Trump auf die USA und die Welt zukommen mag.

David Cay Johnston ist ein amerikanischer Wirtschaftsjournalist, der sich zu Recht das Attribut des Investigativen erworben hat. Mit seinem Buch „Die Akte Trump“, das passend zum US-Wahlkampf 2016 erschien, setzte Johnston einen vorläufigen Schlusspunkt unter jahrzehntelange Recherchen über den Geschäftsmann Donald Trump. Was er in diesem Buch veröffentlicht, gibt einen tiefen Einblick in die Geschäftsgebaren des neuen Präsidenten. Und da mangelt es nicht an Zweideutigkeiten, dunklen Geschäften, Falschaussagen, Klagen über Klagen, fragwürdigen Allianzen und einer gehörigen Portion Unberechenbarkeit. Es geht um Bauprojekte in Trumps Heimatstadt New York, es geht um Casino-Betriebe in Atlantic City, es geht um irrwitzige Spekulationen hinsichtlich des tatsächlichen Vermögens Trumps, es geht um ausgeschlachtete Affären und es geht um seine Liaison sowohl zu Drogenkartellen wie zu früheren amerikanischen Regierungen, die ihn unter anderem vor der Insolvenz gerettet haben.

Wer es genau wissen will, wie Trump aus einem jungen Unternehmer zu einer in vielerlei Hinsicht gefürchteten Größe wurde, der ist hier gut aufgehoben. Die investigative Bandbreite David Cay Johnstons ist beeindruckend und aufgrund der Fülle des vorliegenden Materials manchmal auch erschlagend. Niemand, der dieses Buch in die Hand nimmt, kann sich über mangelnde Fakten beklagen. Das Fazit, das mit jeder Zeile mitschwingt, ist niederschmetternd. Bei Donald Trump handelt es sich um die Sorte eines Geschäftsmannes, dessen Zeichnung in einem Action Krimi als allzu übertrieben gelten würde. Was diesem Buch fehlt, sind Formen der Analyse.

Die erste Frage, die sich bei der Lektüre stellt, ist die nach dem Funktionieren der us-amerikanischen Staatsorgane, an denen vorbei oder mit deren Mithilfe sich ein so schlimmer Finger als Erfolgsmarke einrichten konnte. Wie kann es kommen, dass ein Steuer- und Rechtssystem, das aus europäischer Sicht rigoros erscheint, sich über Jahrzehnte hat derartig kompromittieren lassen können? Und, das ist die entscheidende Frage, wie kann es sein, dass eine solche Figur in der Lage ist, das gesamte politische System aufzumischen.

Letzteres wird uns alle noch lange beschäftigen, denn die Gefahr eines Duplikats herrscht derzeit überall. Das politische System selbst bedarf einer scharfen Analyse, um seiner schwere Krise auf die Schliche zu kommen. Aber das, so muss fairerweise gesagt werden, war nicht die Intention des Autors. Ein lesenswertes Enthüllungsbuch.

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