CIA in Syrien

Syrien: Der Boomerang der verdeckten CIA-Operationen
18. November 2016 Thomas Pany

Es gibt die kleinen Meldungen, die kaum registriert werden, die aber doch ein bezeichnendes Licht auf einen Konflikt werfen, der in vorgegebenen Schablonen präsentiert wird. Zu den kleinen Meldungen gehört der Bericht eines ehemaligen Kämpfers der US-Spezialtruppen, Jack Murphy, über einen Zwischenfall in Jordanien, der sich Anfang November zutrug.

Dabei wurden drei US-Soldaten am Eingang eines militärischen Ausbildungslagers im Süden des Landes erschossen. Murphy berichtet von einem sich aufdrängenden Verdacht, dass ein IS-Sympathisant dafür verantwortlich ist. Nicht auszuschließen sei es, dass der Schütze zu einer Gruppe „moderater Rebellen“ gehört, die von US-Spezialtruppen im Auftrag der CIA ausgebildet wurden.

„Bizarre Unterstellungen“

Zu den Nachrichten mit großer Reichweite, die Schablonen bestätigen, gehört der Bericht der New York Times, der Scheich al-Muhaysini über seinen Schock erzählen lässt, sich nun auf der US-Terrorliste wiederzufinden:

Heute sind die Syrer(!) geschockt, dass die USA eine Person auf die Terrorliste gesetzt haben, die sie als nationales Symbol ansehen. Das ist eine sehr bizarre Sache. Abdallah al-Muhaysini ist eine unabhängige Figur. Wie kann das amerikanische Außenministerium Abdallah al-Muhaysini als jemanden beschreiben, der zu Fatha al-Sham (neuer Name für die al-Nusra-Front, Anm. d.Verf.) gehört?

Scheich al-Muhaysini, im Skype-Interview mit der New York Times
Bizarr ist, dass sich die New York Times erneut als Image-Pflegestätte eines al-Qaida-Mitglieds benutzen lässt. Zugute zu halten ist dem Bericht des Leitmediums, dass er auch die Stimmen der Dschihad-Experten zu Wort kommen lässt, die al-Muhaysini seit Jahren beobachten und Nachweise für seine al-Qaida-Aktivitäten haben.

Allerdings räumt die New York Times dem al-Qaida-Ideologen und Nachwuchsrekrutierer viel Platz ein, um dessen Botschaft unters Publikum zu bringen, wonach er die syrische Bevölkerung repräsentiere, die mit dem grausamen Diktator Assad nicht einverstanden ist. Der Verdacht gegen ihn treffe demnach einen Unschuldigen, der Opfer einer Art Intrige ist.

Diesem Opfer-Narrativ, das in Variationen – wenn es etwa um die unschuldigen „moderaten Rebellen“ geht -, die westlichen Storys über den syrischen Widerstand dominiert, setzt der eingangs erwähnte Jack Murphy andere Wahrnehmungen von der Front der Special Forces gegenüber.

CIA-Operation „Timber Sycamore“ und Sabotage

Um es auf Kernaussagen zu reduzieren: Für Special-Operations-Veteran Murphy ist der oben genannte Zwischenfall in Jordanien von Anfang November eine Konsequenz aus einer falschen Wahrnehmung und einem falschen Programm.

Der Mord an den drei Green-Beret-Soldaten ereignete sich, nachdem den Special Forces unter dem CIA Programm Timber Sycamore jahrelang Kämpfer zur Ausbildung geschickt wurden, die als moderate Rebellen bezeichnet wurden, die aber in Wahrheit IS- und al-Nusra-Eindringlinge waren. Die Mitglieder der Special-Forces haben sich darüber beschwert.

Jack Murphy
Über die Klagen und den Widerstand aus den Reihen der Special Forces berichtete Murphy bereits im September dieses Jahres.

Er zitierte einen früheren Green-Beret, der mit der Durchführung des CIA-Programms in Jordanien vertraut ist: „Jeder vor Ort weiß, dass sie Dschihadisten sind und keiner, der an Ort und Stelle arbeitet, glaubt an die Mission und die Bemühungen, sie wissen, dass sie die nächste Generation der Dschihadisten ausbilden, so sabotieren sie es, indem sie sagen ‚Wenn kümmert das schon?'“

Manche Befehlshaber der Spezialtruppen hätten sich geweigert, die Ausbildung fortzusetzen. Warnungen zum CIA-Programm der verdeckten Operationen, genannt „Timber Sycamore“, gab es demnach schon länger. In der Schlussphase der Regierung Obama kamen auch Berichte an die Öffentlichkeit, die das Scheitern von Timper Sycamore etwas ausführlicher darlegten und in den Zusammenhang mit der Syrienpolitik des scheidenden Präsidenten stellten.

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