Robert Glasper. Everything Is Beautiful

Eine Referenz an einen großen Musiker, zumal einen Innovator und Giganten, wie Miles Davis einer war, kann zu einer sehr heiklen Sache werden. Wie soll es möglich sein, einen Superlativ an Kreativität, technischer Brillanz und Inspiration auf einem Musikalbum adäquat so darzustellen, dass mehr dabei herauskommt als eine im guten Fall exzellente Kopie? Und selbst das kann eigentlich nicht gelingen. Die großen Mythen der Musikgeschichte zu kopieren endet nicht selten in einer peinlichen Referenz. Eric Clapton zum Beispiel scheiterte kläglich, als er sich hinsetzte und Stücke von dem legendären Robert Johnson einspielte, technisch gekonnt, aber ohne Inspiration. Und es gibt noch schlimmere Beispiele. Was bleibt, als Möglichkeit, ist die totale Verfremdung, um der Idee zu huldigen, die hinter einem Song stand, wie dies Willy de Ville mit Hey Joe gelungen ist.

Oder aber, und jetzt sind wir bei Robert Glasper, der das Werk von Miles Davis nahm, um zu dokumentieren, inwieweit die Stücke der Jazz-Ikone namhafte und außergewöhnliche Künstler der Jetzt-Zeit inspiriert hat. Das Album hat das Zitat Miles Davis „Everything Is Beautiful“ nicht nur als Titel, sondern als Motto genommen, um an den Kern der Inspiration bei dem Schaffen der Künstlerinnen und Künstler, die bei dieser Miles-Davis-Collage mitgewirkt haben, heranzukommen. R&B, Rap, Hip Hop, Jazz und Pop sind auf Everything Is Beautiful vereint, mit Namen wie Bilal, Illa J, Erykah Badu, Phonte, Hiatus Kayote, Laura Mvulla, King, Georgia Anne Muldrow, John Scofield, Ledisi und Stevie Wonder.

Die Vorgabe, die Robert Glasper den Genannten exklusiv gemacht hat, war sich auf ein Miles Davis-Stück zu beziehen und sich, davon inspiriert, an die Arbeit und daraus eine zeitgenössische Version nach Ihrem Gusto zu machen. Zum Teil wurden originale Spuren aus dem Davis-Material genommen und mit verwendet. Bei dem Opener Everything Is Beautiful ist Davis Stimme zu hören, die die Beats kommentiert, bei anderen Stücken ist es seine Trompete.

Dabei herausgekommen ist so etwas wie eine Miles-Davis-Extrapolition in das Hier und Heute mit den existierenden Musikformen. Das ist sehr gelungen, wenn man dazu bereit ist, dem Gedanken zu folgen. Leitgedanke ist die Inspiration, die eine Realisierung zeitigt, die es in sich hat. Eine solche Herangehensweise ist eine Seltenheit, eine weitere rühmliche Ausnahme ist das Album von Dr. John, Ske-Dat-de-Dat, der das Gleiche mit dem Werk Louis Armstrongs gemacht hat und das gleichsam in hohem Maße neue Dimensionen der Verarbeitung großer Ideen in die zeitgenössische Musik gewiesen hat.

Wer also hören will, wie sich Miles Davis, der für neue Einflüsse und Ideen offen wie sonst kaum jemand war, der oder die sollte sich dieses Album unbedingt anhören und auf sich wirken lassen. Und vielleicht das eine oder andere mit dem Original vergleichen und dabei hören und sehen, was sich getan hat. Wer Miles im Original hören will, soll es tun, auch das ist immer noch ein unvergleichliches Erlebnis. Aber die Inspiration an der Idee messen und dann zu urteilen, ist sicherlich nicht im Sinne des großen Erfinders, dazu war er zu innovativ.

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