Jenseits der großen Öffentlichkeit

Das Geschrei dauerte noch an, da hatte die Arbeit schon längst begonnen. Natürlich im Stillen und jenseits der großen Aufmerksamkeit. So könnte die Situation beschrieben werden, wie sie sich momentan im Land nach dem großen Schock darstellt. Viele, sehr viele Menschen drängten hierher um Zuflucht zu suchen und viele, auch und besonders die Öffentlichkeit, wurden dadurch überrascht. Angesichts der politischen Vorarbeit auf der Welt müsste das nicht überraschen, aber auch die kluge Rückbetrachtung hilft nicht wirklich, wenn es darum geht, den Status Quo zu managen und die Zukunft vorzubereiten. Und dann wurden die Wurfgeschosse der Beschuldigung in alle Richtungen geworfen, gegen die, die kamen, gegen die, die sie Willkommen hießen, gegen die,, die das alles zu verantworten hatten, gegen die, die darüber berichteten. Die gesamte Geschichte ist typisch dafür, wie eine saturierte Gesellschaft mit etwas fundamental Neuem umgeht. Die Erregung und die sich in Superlative steigernde Emotionalität dominierten lange nahezu alles, vor allem den von einem Grundgefühl der Humanität aus handelnden Pragmatismus.

Aber, und das ist die positive Nachricht, jenseits der großen Öffentlichkeit, längst hat sich in dieser Republik eine Kraft zu Wort gemeldet, die ihre Arbeit längst begonnen hat und dabei ist, erste, kleine Erfolge zu erzielen. Das sind diejenigen, die nicht zum ersten Mal Immigranten zur Seite stehen, wenn sie in dieses Land kommen, es sind diejenigen, die Schulen organisieren und am Laufen halten und natürlich diejenigen, die dort unterrichten, es sind diejenigen, die ihre Vereine schon immer für fremde, neue Bürgerinnen und Bürger geöffnet haben, es sind politische Parteien, es sind Initiativen und es sind ganze Belegschaften in den Betrieben und es sind die ganz normalen Leute auf der der Straße. Sie sind längst dabei, Gutes zu finanzieren, sie sind dabei, Projekte zu organisieren und sie sind dabei, Beistand zu leisten. Die Berichte darüber sind spärlich, was nichts macht, aber die Spärlichkeit erweckt den Eindruck, als dominierten die Propagandisten, Hetzer und Hassprediger dieses Land. Doch das stimmt nicht. Der Anteil derer, die jetzt die Arbeit machen, die diese Gesellschaft braucht, ist weitaus größer.

Und, was sich jetzt herausstellt, ist die tatsächliche Kraft derer, die als Immigranten vor langer Zeit in dieses Land gekommen sind und die sich jetzt sehr selbstverständlich ebenfalls an die Arbeit machen. Sie sind es, die noch größeren positiven und vor allem pädagogischen Einfluss auf diejenigen haben, die neu kommen, sei es aufgrund der gleichen, ursprünglichen Heimat, sei es aufgrund der gleichen Sprache oder der gleichen kulturellen Sozialisation. Viele von ihnen sind längst bei der Arbeit, sei es, sie organisieren in Form von Bildungsvereinen Willkommensklassen, sei es, sie betreiben Küchen, sei es, sie gehen in die Lager und erzählen einfach. Wie es Ihnen ergangen ist, was sie haben lernen müssen und wie sie begonnen haben, die, die hier schon immer gelebt haben, zu begreifen. Das sind zum Teil Botschaften, die nicht ganz so einfach für die, die neu sind, zu begreifen sind, die ihnen von ihnen aber in einer durchaus konsequenten Art und Sprache beigebracht werden.

Nach dem Vorlauf der destruktiven Rituale bekommt nun auch eine gestaltende Kraft in diesem Land Konturen. Es ist eine überaus positive Entwicklung, die sich nicht von denen, die auf Angst und Schrecken spekulieren, bremsen lassen darf. Es ist wie immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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