Sinn und Zweck von Institutionen

Es reicht nicht aus, eine Institution zu gründen, um sie zu einer wirksamen Akteurin des Geschehens werden zu lassen. Doch der Irrglaube herrscht oft in der technokratischen Welt. Den Buchhaltern der gegenständlichen Bilanzen ist es genug, ein Kästchen auf einem Blatt Papier zu haben, das die Institution und ihren Zweck darstellt. Im Appendix mag dann noch stehen, wer in dieser Institution versammelt sein muss, damit sie ihren Zweck erfüllt. Das ist formal wichtig und richtig, aber damit fängt die Arbeit erst an.

Institutionen sind die Organisation unterschiedlicher Perspektiven mit dem Ziel, sie zu einer bestimmten Wirkungsrichtung zu vereinen. Das können unterschiedliche professionelle Sichtweisen sein oder unterschiedliche Gruppeninteressen. Der Unterschied gehört zum Wesen der Korporation, aber er muss allen Beteiligten deutlich sein. Die unterschiedliche Perspektive ist es gerade, die innerhalb der Institution die Bereicherung darstellt. Sie als Abweichung zu bezeichnen heißt, den Zweck der Institution als bereits erfüllt zu unterstellen.

Der Diskurs innerhalb der Institution, der, wie gesagt, unterschiedliche Sichtweisen wie Interessen zum Thema hat, muss geleitet werden von dem Konsens der formalen Zweckbestimmung. Das erscheint zunächst als ein Widerspruch, weil die Subjektivität der einzelnen Akteure zumeist zum dem Schluss verleitet, gerade ihre Sichtweise entspräche dem Zweck der Institution. Institutionalisierung jedoch ist der formale Rahmen für eine Meinungsbildung aus Diversität heraus. Das Sammeln verschiedener Aspekte, die die den Zweck der Institution zu stützen vermögen, ist die Arbeitsweise der institutionellen Konstituierung.

Dieser Prozess bezeichnet das Wesen der Korporation wie das Wesen der Institution und er ist analog und er verhält sich analog zu den Funktionsbedingungen der Kommunikation. Letztere funktioniert nur, wenn alle Seiten mit einer gemeinsamen Intentionalität ans Werk gehen. Nur, wenn klar ist, dass alle Beteiligten, die am Prozess der Kommunikation teilnehmen, den Willen haben und signalisieren, dass sie trotz unterschiedlicher Voraussetzungen eine Verständigung wollen, kommt Kommunikation zustande. Und genauso ergeht es der Institution. Sie wird nur dann ein wirksames Instrument der Zweckbestimmung, wenn die internen Teile, d.h. die unterschiedlichen personifizierten Aspekte innerhalb der Institution daran interessiert sind, den Zweck der Institution zu unterstützen und dieses für alle vernehmlich signalisieren. Alles andere sind Machtkämpfe auf der Strecke, die das Ziel sabotieren. Die Aufgabe institutioneller Sinnhaftigkeit wird am besten illustriert durch die Dominanz des Partikularismus. Er ist der Leichengräber der Korporation.

Mit der Gründung einer Institution ist es nicht getan. Der Prozess einer geeigneten Strategie und Programmatik wird muss gehen über den Diskurs. Dabei sind sowohl die unterschiedlichen Sichtweisen der Interakteure zu betrachten wie die unterschiedliche Sozialisation und das damit verbundene Rollenverständnis zu klären. Beides ist ein langer Prozess, der oft als unnötig und zeitraubend diffamiert wird. Die Diagnostik von fehlgeschlagenen Institutionen führt jedoch immer wieder zu genau diesem Defizit: Die mangelnde gedankliche Klärung der subjektiven Sichtweisen und unterschiedlichen Rollenverständnisse. Dass Institutionen in der Regel ins Leben gerufen werden, damit sie gleich arbeiten und funktionieren, macht die Sache nicht leichter, weil die Investition in die Klärung der eigenen Disposition bei laufenden Geschäften erfolgen muss. Aber ohne geht es eben auch nicht. Wer das Wesen der Korporation ausblendet, wird schwerlich Erfolg haben bei dem Versuch, eine solche, die funktioniert und eine neue Qualität ausmacht, ins Leben zu rufen und am Laufen zu halten.

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