Fußfesseln für Verlage

Medien – Publizisten sehen SPD-Vorschlag einer Stiftung kritisch
Die Welt auf Papier: Millionen greifen täglich zur Zeitung, doch die Branche ist mit großen Schwierigkeiten konfrontiert.  Foto: Dpa

Die Zeitungslandschaft befindet sich seit Jahren im Umbruch. Vor allem das Internet hat die Lesegewohnheiten der Menschen verändert. Mancher sieht Qualität und Meinungsvielfalt in Gefahr. Bei einem Experten-Hearing beschäftigte sich der Hessische Landtag mit der schwierigen Zukunft der Branche.

WIESBADEN.

Die Zeitungslandschaft befindet sich seit Jahren im Umbruch. Vor allem das Internet hat die Lesegewohnheiten der Menschen verändert. Auch die Alterung der Bevölkerung ist nicht ohne Auswirkungen geblieben. Die Auflagen der gedruckten Tageszeitungen sinken ebenso wie die Anzeigenerlöse. Diese Entwicklung hat die Politik auf den Plan gerufen, in einer Anhörung beschäftigte sich der hessische Landtag am Mittwoch mit der Lage der Branche.

Die Entwicklung betreffe nicht die Tageszeitungen alleine, sagte Hans Georg Schnücker, Vorsitzender des Verbands Hessischer Zeitungsverleger, während des gut zweistündigen Hearings. Auch der Einzelhandel habe wegen des boomenden Internetversands mit Problemen zu kämpfen. Ebenso die Banken, deren Filial-Geschäftsmodelle durch neue Bezahlmethoden, etwa mit dem Smartphone, zunehmend infrage stünden.

Sinkende Auflagen führte Schnücker auf die soziodemografische Entwicklung und ein grundlegend verändertes Leseverhalten zurück. Bei jungen Leuten herrsche die Erwartung vor, für sie relevante Nachrichten würden sie schon irgendwie erreichen. Zwar erzielten die Tageszeitungen mit digitalen Angeboten beachtliche Reichweiten. Doch könnten die Erlöse die Verluste im Printgeschäft bei Weitem nicht kompensieren. Beides stehe im Verhältnis eins zu hundert.

Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Rhein Main, sagte, er habe nicht die Erwartung, dass die Politik die Probleme der Verlage löse. Sie könne aber für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen. So sollte der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Printprodukte auch für die digitalen Angebote der Zeitungen gelten. Mit Konzernen wie Google oder Facebook stehe die Branche in einem „brutalen Wettbewerb“, da diese Anbieter tief in das lokale Anzeigengeschäft eingriffen, ohne den gleichen Regulierungen zu unterliegen wie die Verlage. Ohne diese „Fußfesseln“ erziele Google inzwischen im Jahr höhere Anzeigenerlöse als die gesamte Zeitungsbranche in Deutschland, sagte Schnücker. Klare Wettbewerbsnachteile ergäben sich auch durch die kostenlosen Textangebote der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Sie unterlägen zwar Beschränkungen, deren Einhaltung aber nicht überprüft werde. Auch FAZ-Herausgeber Werner D’Inka kritisierte, dass ARD und ZDF mit ihren Internet-Angeboten im Revier der Zeitungen wilderten. Dies sei wettbewerbsverzerrend.

Skeptisch äußerten sich Schnücker und D‘Inka zum SPD-Vorschlag, nach dem nordrhein-westfälischen Vorbild eine Stiftung zur Unterstützung von Startup-Firmen in Print und Online ins Leben zu rufen. Dies berge die Gefahr staatlicher oder parteipolitischer Einflussnahme.

 

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